Worte können glücklich machen

Bild: Stephan, so wie er heute durch die Welt geht. Auf schwarz-weiß-Bildern gefällt er sich am besten.
Ohne Bücher zu lesen und Geschichten zu schreiben, will ich nicht leben. Sollte ich dereinst aus unerfindlichen Gründen mal auf einer einsamen Insel stranden, dann würde ich mir als wichtigstes Utensil zum Überleben einen Stapel Bücher wünschen.
Ein gutes Buch, einen spannenden Roman, eine wortgewaltige Erzählung kann ich immer wieder lesen. Der Erfahrung nach entdecke ich dabei jedes Mal neue Aspekte und tauche tiefer in die Geschichten und die Figuren ein.
Urlaub ohne ein Buch ist ein Widerspruch

Bild: Stephan irgendwann Anfang der 80er-Jahre in Südtirol, während einer Pause auf einer Wanderung. Mit Buch natürlich.
Schon als Kind war ich ein treuer Besucher der Osnabrücker Stadtbibliothek und wenn die Sommerferien anstanden, habe ich jedes Mal einen riesigen Stapel Bücher angeschleppt. Keine Ahnung, was meine Eltern getan hätten, wenn wir mit dem Flugzeug, statt jedesmal mit dem orangen Passat (später mit einem VW-Bulli) in den Urlaub gefahren wären.
Bei jedem Ausflug und jeder Wanderung hatte ich ein Buch dabei. Oft waren es die Rotfuchs-Taschenbücher mit den Comics auf der Rückseite (Gibt es die eigentlich noch?). Manchmal die von meiner Mutter aufgedrängten Bücher über Krieg, die NS-Zeit oder Umweltzerstörung. Gudrun Pausewangs Die letzten Kinder von Schewenborn hat mir nachhaltig Angst eingejagt. Warum gibt man Kindern sowas zu lesen?
Eine kurze Lesung aus dem Kinderbuch Prinzessin Erdbert und ihre Freunde auf Schloss Uhruguaih
Wer bestimmt den Kanon?

Bild: Jung und unbedarft während des Studiums. Wie sagte eine ehemalige Freundin zu diesem Foto: „Da hattest du ja noch zwei Kilo weniger Fett im Gesicht.“ Es ist leicht, sich die Freundschaft zu Stephan zu verscherzen.
Später habe ich dann systematisch Bertold Brecht und Erich Maria Remarque abgearbeitet, weil ich dachte, dass man das eben so macht: Sich einen Kanon drauf packen. So hieß es. Im Studium gab es Leselisten, die es in Laufe der Zeit abzuarbeiten galt.
Ein Querschnitt durch alle Epochen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich kapiert habe, dass jede Leseliste subjektiv ist und ich mich damit der Meinung eines anderen Menschen unterwerfe, welche Titel lesenswert sind.
Das Leben ist zu kurz für schlechte Bücher!

Bild: Der Versuch, als Motorbootmodel Karriere zu machen, war nicht von Erfolg gekrönt. H&M wollte auch nicht. Alles Ignoranten.
Aber das ist vollkommener Bullshit. Ich allein entscheide, was ich lesen möchte. So wie ich auch selbst darüber entscheide, welche Texte ich schreiben will. Außerdem gibt es quasi für jedes Buch einen angemessenen Zeitpunkt und Ort.
Heute lesen ich mich querbeet durch alle Genres. Ich gebe jedem Buch zumindest eine Chance. Aber wenn es mich nicht packt, dann lege ich es auch schnell wieder weg. Manchmal weiß ich jedoch, dass ich es irgendwann noch einmal wieder in die Hände nehmen werde. Hin und wieder kommt es aber auch umgehend in den nächsten öffentlichen Bücherschrank. Ich habe den Anspruch aufgegeben, jedes Buch bis zum Ende zu lesen. Wenn mich ein 500-Seiten-Roman auf Seite 450 langweilt und auch auf Seite 460 kein neues Interesse geweckt hat, dann lege ich es weg. Wozu Lebenszeit mit Texten verschwenden, die mich nicht berühren?
Zum Kinderbuch über Leonardo da Vinci habe ich mal selbst einen Film produziert.
Verzweifelt und orientierungslos

Bild: Der Kopf ist noch müde, das Licht zu hell – da hilft meist ein Kaffee. Vor allem im familieneigenen Sommerhaus in Schweden, wenn alle anderen schon hellwach sind.
Irgendwann nach dem Studium, als ich in diversen Verlagen und Agenturen gearbeitet hatte und in diesen Unternehmen immer unglücklicher wurde, habe ich mich gefragt, warum ich nicht das mache, was mir wirklich liegt: Geschichten schreiben.
Als einziger Stolperstein lag mir die Angst vor mir selbst im Weg. Immer wenn ich vorher etwas Eigenes geschrieben hatte, habe ich es umgehend vernichtet. Ich fand mein Schreiben peinlich und uninteressant. Erst als ich wirklich verzweifelt war, weil ich nicht wusste, wohin ich mich im Leben wenden sollte, hat es endlich Klick gemacht: Mir gefiel plötzlich, was ich schrieb.
Der Korrektor rät: „Mach mal weniger Drama“

Bild: Als aktiver Kämpfer für die Rechte queerer Menschen auf dem CSD muss man manchmal zu harten Bandagen greifen. Im Gegensatz zu einem der ehemaligen Bundeskanzler steht der Autor dazu, sich seinerzeit die Haare gefärbt zu haben.
Ich bin damals in das eiskalte Wasser der Selbstständigkeit gesprungen und habe mich so lange durchgebissen, bis ich das Schreiben von der Pike auf gelernt hatte. Ich kenne die einsamen Phasen, die nötig sind, damit ein guter Text entsteht. Und ich weiß, was es braucht, damit ein Text spannend wird.
Hier ist ein Podcast mit mir!
Hör doch mal rein!

Fishing for compliments

Bild: Wenn der Autor versucht, das Beste aus sich zu machen, muss das nicht bedeuten, dass andere Menschen das goutieren. Brille von GUTSCHIE. Frisur von C&A. Wasserglas von INVISIBLE.
Ob es mir wirklich gelingt, Spannung und gute Plots in meinen Romanen umzusetzen, wage ich nicht selbst zu beurteilen. Das müssen meine Leserinnen und Leser entscheiden. Aber ich versuche es zumindest.
Ich gebe mein Bestes, um euch gut zu unterhalten und in die Lebenswelten meiner Figuren mitzunehmen. Meine Welt ist das Schreiben von Büchern. Darüber urteilen müssen andere.
Glück, Erfolg und unermesslicher Reichtum

Bild: Das Glück des Schrifstellers ist der Mann links, dem er im Moment der Aufnahme gerade das Ja-Wort gegeben hat. (Triggerwarnung: Für einige Betrachter kann dieses Foto emotional verwirrend sein und zum irreversiblen Ende der Intelligenz führen.)
Der Zufall des WorldWideWeb spülte mir dann eines Tages einen Mann vor die Füße, mit dem ich heute verheiratet bin. In der Anfangszeit traten wir auch beruflich als Team auf: Er illustrierte die Kinderbücher, die ich schrieb.
Drei Buchproduktionen lang haben wir das tapfer durchgehalten. Das Buch Mit dem Zeppelin nach New York war mit Abstand unser erfolgreichstes Kinderbuch. In der Folge wurde ich zu vielen Lesungen engagiert und habe gar nicht schlecht damit verdient. Wobei das natürlich relativ ist. Für den Rolls Royce habe ich aber immerhin damals die erste Rate für den rechten hinteren Blinkers angezahlt.
Der WDR hat eine Dokumentation über uns gemacht
Zappelnde Kinder und ihre Lehrer:innen

Bild: Es ist nicht das große Lebensdrama, das aus diesem Gesicht spricht, sondern vermutlich eher das eine Glas Rotwein, das zu viel war. Oder das andere.
Aber leider kam ich mit diesen Veranstaltungen immer schlechter zurecht. Mit den Kindern hat es immer wunderbar geklappt. Aber die Lehrer:innen haben mich in den Wahnsinn getrieben.
Bei etwa einem Drittel der über hundert Lesungen, die ich absolviert habe, sind mir völliges Desinteresse, gnadenlos überzogene Erwartungen und einmal auch der Abbruch einer Lesung zugunsten eines Trommelkurses entgegengebracht worden. Die vielen gut gelaufenen Veranstaltungen konnten das leider nicht aufwiegen. Auch nicht die tollen Lehrer:innen und immer sehr engagierten und erfahrenen Bibliothekar:innen. Das ist nun mal das Tagesgeschäft in der Branche. Die meisten meiner Kolleg:innen kommen damit irgendwie klar. Ich aber bin dafür zu empfindsam. Mich wandelt dieses Verhalten an. Und es hat mich leider in eine fiese Depression geführt.
Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitermachen, schreiben

Bild: Sagt selbst – können diese Augen lügen? Der Autor meint dazu: „Selbstverständlich können diese Augen lügen. Der Mund darunter kann ja auch blinzeln!“
Ich musste mich in dieser Zeit am Schlafittchen packen und aus dem Sumpf ziehen. Und weil alles zusammen einfacher ist, hat mein Mann kräftig mitgezogen. Also habe ich mir neue Projekte überlegt und mich ganz dem Schreiben gewidmet.
Das Ergebnis war eine queere Romanreihe. Ich wollte mich immer schon mal mit schwulen Figuren und Geschichten auseinandersetzen und habe die Zeit der Pandemie dafür genutzt.
Wie passen Humor und Depression zusammen?

Bild: Mittlerweile sind die Haare ab und am charmanten Doppelkinn arbeitet Stephan. Die Richtung der Arbeit ist allerdings noch ungeklärt.
Die meiste Freude hat mir dann allerdings die Arbeit an einem Projekt gemacht, das schon seit fast zehn Jahren auf meinem Schreibtisch lag: Ich habe über meine zahlreichen Reisen nach Kreta geschrieben.
Das funktioniert allerdings nur auf humorvolle Weise, denn vieles von dem, was ich in den letzten Jahren auf dieser Insel erlebt habe, ist vollkommen absurd. Ein ernsthaftes Buch über meine Erlebnisse hätte meine Depressionen nur verstärkt. Immerhin sind die Kreter verrückt, die Touristen auf der Insel sind verrückt und auch ich bin selbstverständlich verrückt. Völlig irrsinnig. Doch die Satire hat mich gerettet. Seit der Kreta-Roman erschienen ist, weiß ich wieder, was mein Lebenselixier ist: Ich will gute Geschichten schreiben!
Die beiden ersten Kapitel der Sommersatire Kretische Reise
Adieu Instagram, Facebook und TikTok?

Bild: Die Phase des bärtigen Revoluzzers ist abgeschlossen. Juckt sehr. Insbesondere in Verbindung mit Mütze und handgestricktem Wollschal.
Und weil ich immer mehr Energie in gute Texte investieren will, anstatt meine Zeit in den sozialen Medien zu verplempern, denke ich seit einiger Zeit darüber nach, Instagram, Facebook und TikTok vollständig hinter mir zu lassen.
Der immer mehr um sich greifende Hass und die Aggressionen, die mir dort jedes Mal entgegenkommen, widern mich an. Ich möchte diese Medien nicht weiter unterstützen. Außerdem steht der Aufwand, den ich in den letzten Jahren für gute Postings betrieben habe, in keinem gesunden Verhältnis zum Effekt.

Das Leben ohne Social Media ist wie Buttercremetorte

Bild: Dies ist der verzweifelte Versuch, im mittleren Alter eine verführerische Pose einzunehmen. Vermutlich wäre es angebracht gewesen, das schmutzige Küchentuch dafür von der Schulter zu nehmen und die Haare zu waschen.
Damit hacke ich mir allerdings auch den Kontakt zu euch, meinen Leser:innen ab. Das ist dramatisch. Aber es gibt eine Lösung! Wer trotzdem hin und wieder erfahren will, was mich beschäftigt und ob ein neues Buch von mir erscheint, sollte sich schleunigst bei meinem Newsletter anmelden.
Kann man vom Bücherschreiben überhaupt leben?
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Bild: Da isser wieder vom ersten Bild – aktuell im Januar 2025. Und richtig – schwarz-weiß ist auf wundersame Weise förderlich für die Außenwahrnehmung.
Was liest du gerade mit Begeisterung? Und warum?
Da ich immer auf der Suche nach neuen Literaturerfahrungen bin, freue ich mich über Hinweise auf schöne Bücher. Also schreib mir eine Mail mit deinem aktuellen Buchtipp: info@stephanmartinmeyer.de
